Landesvermessung

Ehem. Militärgeographisches Institut, heute das BEV

BEV Ehem. Militärgeographisches Institut (MIG), heute Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen

Mit dem Ziel für die gesamte Monarchie einheitliche Karten bereitzustellen, erfolgte 1806 bis 1838 die erste Militärtriangulierung. 1839 wurde das "k.u.k. Militärgeographische Institut" gegründet und die Messungen bis 1861 fortgesetzt. Die topographischen Anstalten Mailand und Wien wurden im MIG vereint. 

1923 gingen die Agenden zum zivilen Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) über und 1955 wurde die Militärgeographie im Bundeskanzleramt und schließlich wieder im Verteidigungsministerium integriert. Seit 2017 ist es dem Kommando "Führungsunterstützung & Cyber Defence" zugeordnet. Diese Abteilung des Bundesheers ist das Kompetenzzentrum in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie und Militärisches Geowesen.

Vom Odometer zu hochauflösenden Orthofotos

Während der Han-Dynasty in China (ca. 100 AD) wurden zur Streckenmessung Radumdrehungen gezählt. Zu Beginn der Neuzeit (ca. 250 BC) gab es Vorläufer der Sextanten um Himmelrichtung und Zeiten zu bestimmen. Zur Richtungsbestimmung mithilfe des Erdmagnetfeldes wurde in Europa Magneteisenstein genutzt. 1841 erfolgte durch Gauß und Bessel die Neudefinition der Erdfigur, es enstand das Bessel-Ellipsoid, das heute Grundlage für Österreich-Karten ist.

Heute kann das Institut für Militärisches Geowesen Orthofotos von Österreich und Satellitenbilddaten der Erde durch hochauflösende satellitengestützte Fernerkundungsdaten, wie zB von den Satelliten Pléiades (Bildauflösung 70 cm), bereitstellen. 

Triangulierungsnetz 

Entstehung des österreichischen Netzes

Für die bestmögliche Annäherung eines ganzen Staates wie Österreich ist das Rotationsellipsoid am Besten geeignet. Dessen geometrische Figur ist eindeutig bestimmt. Der österreichischen Landesvermessung liegt das Bessel-Ellipsoid zugrunde. Es wurde im Jahr 1841 von Friedrich Wilhelm Bessel (Mathematiker und Astronomen) bestimmt. Für die Berechnungen wurden insgesamt 10 polnahe und äquatornahe Meridianbögen herangezogen. Zur Lagerung des Ellipsoids wird die geographische Position eines ausgewählten Punktes (Fundamentalpunkt) durch astronomische Ortsbestimmung ermittelt und auf das Ellipsoid übertragen.

Das System MGI (Vorgänger des heutigen BEV ist das Militärgeographisches Institut) ist das Koordinatensystem der österreichischen Landesvermessung. Sein Ursprung reicht bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. 

Das österreichische Netz 1. Ordnung entstand aus dem zwischen 1851 (bzw. 1862 Beitritt Österreich-Ungarns zur "Mitteleuropäischen Gradmessung") und 1908 gemessenen und für die Zwecke der Landesvermessung adaptierten Gradmes­sungsnetz des Militär-Geographischen Institutes (MGI). Dieses ursprünglich zum Studium der "Figur der Erde" in Europa gemessene Netz bestand im wesentlichen aus gitterförmig angeordneten Dreiecken, dem sog. Triangulierungsnetz.

Fundamentalpunkt auf der Habsburgwarte des ÖTK

Hermannskogel Fundamentalpunkt der Österr. Landesvermessung auf der Habsburgwarte des ÖTK
Habsburgwarte des ÖTK, anno 1888

Für das Landesver­messungsnetz wurde der Hermannskogel bei Wien als Fundamentalpunkt für die Lagerung auf dem Besselschen Ellipsoid angenommen. Die Orientierung des Netzes erfolgte nach dem Punkt Hundsheimer Berg; der astronomisches Azimut (Winkel zwischen astronomisch Nord und der Richtung zum Festpunkt auf der Erde) ist in der Tabelle unten angeführt. Für das MGI-System ist die 1862 bei Josefstadt in Böhmen gemessene Basis maßstabsbestimmend.

Bezugsfläche Bessel-Ellipsoid 1841
Lagerung

Fundamentalpunkt Hermannskogel

geogr. Breite 48° 16' 15,29''
geogr. Länge 33° 57' 41,06''

Orientierung (Azimut) Hundsheimer Berg
107° 31' 41,70''
Maßstab Basis bei Josefstadt in Böhmen

Austrian Positioning Service

Vom terrestrischen Festpunktfeld zu APOS

Das zuvor beschriebene System MGI ist eines von weltweit in großer Zahl existierenden nationalen Systemen. Diese unterscheiden sich in ihrer Definition und Realisierung auch von jenen der jeweiligen Nachbarstaaten. Die Koordinatenwerte sind untereinander nicht kompatibel. Nur durch aufwändige Transformationen lassen sich die unterschiedlichen Systeme miteinander verbinden.

Die verschiedenen Referenzsysteme sind für den Anwender nicht einfach nachzuvollziehen. Missinterpretationen und Verwechslungen sind die Folge. Mit dem Einsatz von Navigationssatelliten wurde das Vermessungsystem vereinfacht, dennoch kommen weltweit nach wie vor unterschiedliche System zum Einsatz.