In Berghütten Schutz finden

Schnee geschmolzen, Kekse und Müsliriegel als Notnahrung

"Es war zwar ziemlich kalt, aber auf der Hütte gab es ausreichend Decken. Zum Trinken mussten wir Schnee schmelzen, und Essen hatten wir für einen Tag. Gott sei Dank ist die ÖTK-Notunterkunft mit einem Kocher und eine Gaskartusche ausgestattet. So konnten wir Schnee schmelzen. Zusätzlich rationierten wir Kekse und einige Müsliriegel.

Die beiden Deutschen wurden am 8. Jänner 2013 von der Besatzung eines Hubschraubers des Innenministeriums gerettet. Die Bergsteiger mussten am 4. Jänner im Wildalmkirchl-Biwak im Gemeindegebiet von Maria Alm auf 2.457 Meter Seehöhe eine Notunterkunft beziehen und konnten wegen des Schlechtwetters und der hohen Lawinengefahr nicht absteigen.

Plane Schutzhütten ein – sie können dein Leben retten

Plane deine Tour so, dass du zumindest über die umliegenden Schutzhütten Kenntnis hast, um in Notfall Schutz zu finden. Alleine zu wissen, wo sich eine Hütte befindet, reicht aber nicht. Du solltest dich vorab informieren, um welche Hüttenkategorie es sich handelt und ob die Hütte einen frei zugänglichen Schutzraum bietet. Einige Hütten sind nur Mitgliedern mittels Schlüssel zugänglich. Manche sind unbewirtschaftet oder haben keine Übernachtungsmöglichkeit.

Hüttenkategorien

Keine einheitliche Kategorisierung in den Alpen

Anhand von Hüttenkategorien können Berghütten nach ihrer Lage und ihrer Ausstattung in Kategorien eingeteilt werden. Da die Kategorisierung aber meist von den alpinen Vereinen für die eigenen Hütten vorgenommen wird, gibt es bis heute keine einheitliche Kategorisierung von Schutzhütten in alpinen Lagen. Italien geht von der Versorgungsmöglichkeit einer Hütte aus, die Schweizer Hütten werden nach ihrer Ausstattung eingeteilt und die Hütten des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins nach ihrem Verwendungszweck. Letztere haben einige andere österreichische Alpinvereine übernommen:

Kategorie I

Hütten der Kategorie I sind Schutzhütten, die ihren ursprünglichen Charakter als Stützpunkt für Bergsteiger und Bergwanderer bewahren müssen. Das bedingt eine schlichte Ausstattung sowie bei bewirtschafteten Hütten eine einfache, aber ausreichende Verköstigung. 

Hütten dieser Art finden sich in bergsteigerisch bedeutsamen Gebieten und sind meist über eine Stunde Fußmarsch vom nächstgelegenen Stützpunkt entfernt. Mechanisch sind diese Hütten nur in Ausnahmefällen zu erreichen. In dieser Kategorie gibt es sowohl bewirtschaftete wie auch bewartete Hütten und Biwakschachteln.

Winterraum: grundsätzlich ja

Kategorie II

Hierbei handelt es sich um Hütten in vielbesuchten Gebieten. Wegen einer im Vergleich zur Kategorie I besseren Ausstattung und Verköstigung eignen sich diese Hütten auch für mehrtägige Aufenthalte und Urlaube, sowohl im Winter als auch im Sommer. 

Hütten dieser Kategorie sind im Regelfall ganzjährig bewirtschaftet. Eine mechanische Erreichbarkeit ist in vielen Fällen vorhanden, ist aber kein zwingendes Kriterium.

Winterraum: nicht zwingend vorgesehen, weil bewirtschaftet

Kategorie III

Hierunter versteht man mechanisch erreichbare Hütten, die hauptsächlich als Ziel für Tagesausflüge dienen und somit nur geringe Übernachtungszahlen aufweisen. Entsprechend ist das gastronomische Angebot den landestypischen Verhältnissen angepasst. Darunter fallen Alpengasthäuser oder Alpenwirtshäuser.

Kennzeichnung auf der Wanderkarte

Topographische Kennzeichnung von Hütten

Die Statistik Austria verwendet in den Auswertungen der amtlichen Statistik eine einheitliche topographische Siedlungskennzeichnung für die Klassifikation der Siedlungsformen als topographisches Objekt. Die Klassifikation umfasst alle für das amtliche Ortsverzeichnis statistisch relevanten Objekte. Sie entsprechen auch der Kartensignatur (Symbolen) der amtlichen Österreich Karte.

Die wichtigsten Abkürzungen, die auf topographischen Karten zu finden sind:

Agh Alpengasthaus
Alm Alm, Sennhütte
Alpe Alphütte, Alpe
Jh Jagdhaus, Forsthaus, Hegerhaus
Jhtt Jagdhütte, Forsthütte, Holzstube
Schh Schutzhütte, Schutzhaus
Schih Schihütte, Schiheim

Quelle: Statistik Austria

Rechtliches

Benötigt ein Hüttenwirt eine Gastgewerbe-Konzession?

Geregelt ist der Begriff der "Schutzhütte" im § 111 Abs 2 Z. 2 Gewerbeordnung als „ein einfach ausgestatteter Betrieb, der in einer für den öffentlichen Verkehr nicht oder nur schlecht erschlossenen Gegend gelegen und auf die Bedürfnisse der Bergsteiger und Bergwanderer abgestellt ist“.

Die Beherbergung von Gästen, die Verabreichung von Speisen jeder Art und der Verkauf von warmen und angerichteten kalten Speisen, der Ausschank von Getränken und der Verkauf dieser Getränke in unverschlossenen Gefäßen erfordert keinen Befähigungsnachweises für das Gastgewerbe.

Kategorie-III-Hütten, also Alpengasthöfe, fallen nicht unter diese Ausnahmeregelung und benötigen hingegen den Befähigungsnachweis für das Gastgewerbe.

Frühzeit

Die Geschichte der alpinen Schutzhütten

Erste Schutzhüttenhatten den Zweck, als Stützpunkte für bedeutende Gipfel-Erstbesteigungen zu dienen (zB Großglockner). Erst mit der Gründung der alpinen Vereine in den Jahren 1850-1870 erfolgte der Hütten- und Wegebau systematisch. Zunächst wurden nur kleine Unterkünfte errichtet. Doch dann entdeckten auch die Städter die Alpen und die Hütten platzten aus allen Nähten, mussten neu gebaut oder erweitert werden.

Petromax und Waschtisch

Ausgestattet waren die ersten Hütten mit Holzofen, Petroleumlampe ("Petromax") und Glühstrumpf. Wasser zum Kochen und wenigstens das Gesicht zu waschen, wurde aus der nahen Quelle oder dem Bach geschöpft. In vielen Hütten ist auch heute noch der romantisch anmutende Waschtisch zu finden, auf dem einst Wasserkrug und Schüssel zur Körperpflege standen.

Donnerbalken und Grammophon

Als Toilette diente der "Donnerbalken", meist etwas abseits der Hütte über einer Grube oder einem Abhang positioniert. Später wurde ein hölzener Wetterschutz darüber errichtet, fertig war das Plumpsklo. Der Abfall wurde einfach über den Abhang entsorgt. Als die Städter dann auch noch Grammophone heraufschleppten und für Klangwelten in den Alpen sorgten, setzten sich die alpinen Vereine zusammen und entwarfen neue Regeln, die sog. "Tölzer Richtlinien".