Warum Zahlen nicht vergleichbar sind

Tagesaktuelle Zahlen an weltweit getesten Covid-19-Fällen

Covid-19, Coronavirus, weltweite Ausbreitung Klicke in die Karte (Quelle: John Hopkins Universität, WHO)

In den Medien werden täglich Zahlen zum Coronavirus veröffentlicht. Skepsis wäre dringend angebracht, weil die Zahlen NICHT das Verhältnis der infizierten Personen zur Gesamtbevölkerung widerspiegeln, sondern lediglich die Anzahl jener Personen ist, die positiv auf die Covid-19-Krankheit getestet wurden - und das ist ja nur ein verschwindend geringer Teil der Bevölkerung. 

Erst 1 % der Bevölkerung in Österreich getestet

In Österreich wurden Stand 2. April laut Gesundheitsminister 92.190 Tests durchgeführt, also in etwa 1 % der Bevölkerung. Bei 10.927 Personen fiel der Test positiv aus, das sind rund 12 % der Getesteten; 158 sind in diesem Zeitraum gestorben. Dass Österreich kaum Tests durchführt, heißt im Umkehrschluss nicht, dass wir weniger infizierte Personen haben. Vorfreude ist also fehl am Platz und ein Ländervergleich unseriös.

Wir sind Überträger der Krankheit, ohne es zu merken

Island beispielsweise hat bereits 3 % der Bevölkerung getestet, wesentlich mehr, als in anderen europäischen Ländern. Dort ist die Hälfte der Getesteten ist positiv. Wir sollten also davon ausgehen, das Coronavirus bereits in uns zu tragen, ohne es zu merken - auch wenn sich keine Symptome der Covid-19-Krankheit zeigen.

Warum ist Italien so stark betroffen?

Im nördlichen Teil Italiens haben viele Unternehmen ihren Sitz, internationale Kontakte stehen an der Tagesordnung. In der Modeindustrie wird viel Handel mit China betrieben. Das Gesundheitswesen weist erhebliche Defizite auf; bei Krankenhauskeimen schneidet Italien im europäischen Vergleich besonders schlecht ab. Italiener haben ein sehr geringes Vertrauen in die Politik und die öffentliche Verwaltung. Dadurch können Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit nicht schnell genug umgesetzt werden. Die italienischen Skigebiete trugen wie in Österreich zur Verbreitung des Virus bei.

Quelle: ZDF

Wie gefährlich ist der Coronavirus?

In rund 81 % der Fälle milder Krankheitsverlauf

Das Corona-Virus ist in aller Munde, dabei wird vergessen, dass zB. an Hepatitis-B täglich über 2.400 Menschen weltweit sterben. Darüber wird in den Medien nicht berichtet. Ebenso wenig wird berichtet, dass der Krankheitsverlauf beim Corona-Virus in rund 81 % der Fälle mild verläuft und nur 13,8 % der Fälle im Krankenhaus behandelt werden müssen (Quelle: China). Dazu gibt es eine interessante Webseite mit Infografiken - klicke ins Bild.

Was bringt eine Ausgangsbeschränkung?

Grafik: DiePresse tw. basierend auf TU Wien/dwh

Diese Grafik verdeutlicht, warum die Bundesregierung zu so einschneidenden Maßnahmen greift. Ausgangsbeschränkungen und Quarantäne sollen einen kontrollierten Ausbruch (Verlangsamung) an Neuinfektionen bewirken. Das entlastet unser Gesundheitssystem (blaue Grenze), welches nur über begrenzte Kapazitäten verfügt. Kommt es zum unkontrollierten Ausbruch, kollapiert das Gesundheitssystem (orange und rote Kurve). Daher ist es notwendig, dass wir uns an die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden halten.

Mythen versus Fakten zum Coronavirus

Desinfektionsmittel schützen vor Viren.

FALSCH.

Hygienetücher, antibakterielle Gels, Desinfektionssprays – die Auswahl an Keimkillern in den Drogerieregalen ist groß. Handelsübliche Desinfektionsmittel wirken meist nur gegen Bakterien und Pilze. Nur "viruzide Desinfektionsmittel", das sind chemische Mittel mit Wirkungsbereich "begrenzt viruzid" (wirksam gegen behüllte Viren), "begrenzt viruzid PLUS" oder "viruzid" helfen gegen Viren.

Desinfektionsmittel wirken nur richtig angewendet. Beachte daher Einwirkzeit - oft beträgt diese mindestens 15 Minuten. Einfach aufsprühen und wischen ist daher völlig sinnlos. Inhaltsstoffe, wie Chlor sowie Benzol und Phenol, können außerdem die menschlichen Schleimhäute, insbesondere die Nasenschleimhaut irritieren. 

Schulkinder mit Handdesinfektionsmittel auszustatten ist fahrlässig, weil alle Desinfektionsmittel giftig sind. Reiben Kinder ihre Hände mit Desinfektionsmittel ein und essen danach das Jausenbrot, drohen schlimme Vergiftungen. Die Zusätze können außerdem die natürliche Hautflora beschädigen, die ja wesentlich dazu beiträgt, den Organismus vor Krankheitserregern zu schützen. Sie können auch allergische Hautreaktionen und Ekzeme hervorrufen. Experten raten: Hände weg!

Als besonders tückisch entpuppt sich dabei der in vielen Drogerie-Gels zugesetzte Wirkstoff Triclosan. Eigentlich ein wunderbarer Bakterienkiller und zudem geruchsneutralisierend. Problematisch ist allerdings, dass Triclosan irgendwann gegen gewisse Bakterien nichts mehr bewirken kann.

Experten und Behörden empfehlen in der gegenwärtigen Situation vor allem regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife. Denn beim Sars-CoV-2 handelt sich um ein sogenanntes behülltes Virus, dessen Erbgut von einer Lipidschicht umgeben ist, die empfindlich auf Seife reagiert. 

Eine OP-Schutzmaske schützt uns vor Viren.

FALSCH.

Aerosole, welche den Viren zur Fortbewegung nutzen, sind in der Atemluft nahezu unsichtbar. Ausschließlich partikelfiltrierende Halbmasken der Schutzklasse FFP3 bieten Schutz vor Viren, vorausgesetzt sie liegen dicht am Gesicht an. Diese Masken müssen in Abhängigkeit vom Einatemwiderstand und der Kontaminierung bereits nach wenigen Stunden gewechselt werden.

Da Masken nicht fest sitzen, können winzige infizierte Tröpfchen in Nase und Mund gelangen. Auch Menschen mit dem Virus an den Händen, die ihr Gesicht unter einer Maske berühren, können infiziert werden. Die Schleimhäute der Augen bleiben bei Halbmasken (Nase+Mund) ungeschützt! Für die breite Öffentlichkeit wird das Tragen einfacher chirurgischer Einwegmasken seitens der WHO nicht empfohlen.

Menschen mit einer Atemwegserkrankung sollten einen Mund-Nasen-Schutz (MNS-Maske) tragen, um die Übertragung einer Infektion auf andere Personen zu verringern. Denke bitte daran, dass einfache Masken ihre Schutzwirkung verlieren, sobald sie mit Atemluft durchfeuchtet sind. Sie sollten daher nicht wieder verwendet werden. Achte auch auf eine fachgerechte Entsorgung der Maske. 

Grenzschließungen und Reisebeschränkungen bringen nichts

FALSCH.

Die Grenzen werden nicht abgeriegelt. Warenverkehr und Berufspendler können weiterhin die Grenzen passieren, werden aber genau kontrolliert. Für Reisende, die Krankheitssymptome aufweisen oder "ohne triftigen Reisegrund" gilt zur Zeit eine Grenzschließung. Drittstaatenangehörigen, die keine Aufenthaltsberechtigung in Österreich besitzen, ist die Einreise nach Österreich von außerhalb des Schengenraums auch auf dem Luftweg untersagt. 

Die Grenzkontrollen sind eine besondere Maßnahme und sogar Teil des Schengener Abkommens. Das Abkommen lässt eine zeitlich begrenzte Wiedereinführung von Personenkontrollen an den Grenzen zu, wenn "eine ernsthafte Bedrohung der öffentlichen Ordnung oder inneren Sicherheit" vorliegt. 

Erkrankte Personen erhalten eine "Sonderbehandlung".

FALSCH.

Eine spezielle Therapie für die COVID-19-Erkrankung gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt, zB. mit fiebersenkenden Mitteln oder mitunter mit mechanischer Beatmung bei Atemwegsproblemen. 

Für Produkte aus China besteht eine Ansteckungsgefahr.

FALSCH.

Richtig ist, Forscher untersuchen das neue Coronavirus, um mehr darüber zu erfahren, wie es Menschen infiziert. Zum jetzigen Zeitpunkt stellen Wissenschaftler fest, dass die meisten Viren, wie auch das aktuelle Corona-Virus auf Oberflächen nur etwa eine Woche überleben. Daher ist es unwahrscheinlich, dass wir kontaminierte Produkte erhalten, die tagelang oder wochenlang unterwegs waren. 

Das Coronavirus wurde absichtlich erstellt oder freigesetzt.

FALSCH.

Fledertiere gelten als wahrscheinliches Virus-Reservoir. Die ersten Fälle wurden von einem Markt in der chinesischen Stadt Wuhan gemeldet, auf dem lebende Wildtiere verkauft wurden. Als mögliche Überträger des neuen Coronavirus gelten unter anderem Fledermäuse, Flughunde und die Schleichkatze, welche in bestimmten Regionen Afrikas und Asiens von Menschen verzehrt werden.

Warme Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit reduzieren die Übertragung der Viren.

FALSCH.

"Wir müssen wohl damit rechnen, dass wir trotz steigender Temperaturen direkt in eine Epidemiewelle hineinlaufen werden. Der saisonale Effekt war nicht so groß wie bei anderen Erkältungsviren", wertete Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, aktuelle Studien.

Das Phänomen von Grippeviren, dass sobald die Temperaturen steigen, die Zahl der Infizierten herunter geht, hat andere Gründe: Warme Temperaturen lassen uns aktiv werden. Wir bewegen uns mehr an der frischen Luft. Der Wechsel von kalt und warm aktiviert die körpereigenen Abwehrkräfte. Es gibt noch zu wenig Studien, ob damit auch dem Corona-Virus begegnet werden kann. 

Ein Impfstoff zur Heilung von COVID-19 ist erhältlich.

FALSCH.

Derzeit gibt es keinen Impfstoff gegen das neue Coronavirus. Wissenschaftler haben bereits begonnen, an einem zu arbeiten, aber die Entwicklung eines Impfstoffs, der beim Menschen sicher und wirksam ist, wird viele Monate dauern.

In sozialen Medien wird die Einnahme von Vitam-Präparaten, die Behandlung mit ätherische Ölen, das Schlucken von Salzwasser, Ethanol, Essig oder anderen Substanzen empfohlen.

FALSCH.

Keine dieser Empfehlungen schützt vor der COVID-19-Krankheit. Einige dieser Praktiken können gefährlich, ja sogar tödlich sein. Die beste Möglichkeit sich vor dem Coronavirus zu schützen: Vertraue den Gesundheitsbehörden und teile solche Fake-News nicht.

Tipp: Für eine ausreichende Synthese von Vitamin D genügt es, Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutzmittel zwei- bis dreimal in der Woche der Hälfte der minimalen sonnenbrandwirksamen UV-Dosis auszusetzen – das bedeutet der Hälfte der Zeit, in der man ungeschützt einen Sonnenbrand bekommen würde. 

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