Galileo - Europas Satellitennavigationssystem

Erstes Ortungs- und Navigationssystem für Bürger

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) haben den Aufbau eines eigenen globalen Satellitennavigationssystems (Global Navigation Satellite System, GNSS) beschlossen. Es soll Behörden, Unternehmen und dir als Nutzer sagen, wo du dich auf dem Erdball befindest, und zwar genauer als jemals zuvor.

Im Endausbau soll die Galileo-Konstellation aus 30 Satelliten bestehen, die auf drei Bahnen um die Erde kreisen. Damit soll eine Positionsbestimmung bis auf einen oder zwei Meter genau möglich sein, unter bestimmten Bedingungen sogar noch genauer. Um hier im Zweifelsfall nicht auf den Good-Will des US-Militärs mit seinem GPS angewiesen zu sein, setzen die Europäer auf ein eigenes globales Satelliten-Navigationssystem. 

USA war gegen Galileo

Galileo gewährleistet einerseits die europäische Unabhängigkeit von den beiden militärisch kontrollierten Systemen GPS (USA) und GLONASS (Russland) und unterstreicht so die Souveränität Europas.

Europa legte großen Wert darauf, dass Galileo nicht gegen sondern mit dem amerikanischen GPS arbeiten wird. Es basiert auf derselben Grundtechnologie, ist kompatibel und bietet zusammen mit GPS eine wesentlich höhere Genauigkeit sowie erhöhte Ausfallsicherheit.

Galileo ist zivil

Das am weitesten genutzte Satellitennavigationssystem ist das US-System, das Global Positioning System (allen bekannt als "GPS"). Hinzu kommen das russische Glonass und das chinesische Beidou. Alle zusammen ermöglichen schon eine recht genaue Navigation. 

GPS, Glonass und Beidou haben eines gemeinsam: Sie gehören dem Militär des jeweiligen Landes. Und das behält sich vor, das System in einem Krisenfall ungenau zu machen. Du erinnerst dich vielleicht noch, vor dem Abschalten der Selective Availability war GPS nur auf etwa 100 Meter genau. Galileo hingegen ist zivil.

Was kann Galileo?

Galileo vs. GPS

Galileo Satellitennavigationssystem Präzise Navigieren mit Galileo-Satellitennavigationssystem (Foto: European GNSS Agency)

Mit dem US-Satellitennavigationssystem Global Positioning System (GPS) wisse ein Zug, in welchem Gebiet er sich befinde. Mit Galileo könne er das Gleis identifizieren, auf dem er stehe, verglich kürzlich Jean-Yves Le Gall, Leiter der französischen Raumfahrtagentur Centre national d'études spatiales (CNES).

Anders als das US-Satellitennavigationssystem Global Positioning System (GPS) ist Galileo ein ziviles System. Es kann also in Krisenzeiten nicht einfach abgeschaltet werden. Zudem soll Galileo genauer sein als GPS.

Unterschiedliche Services und Genauigkeit

Das Galileo-System wird unterschiedliche Services bereit stellen, die für verschiedene Zielgruppen vorgesehen sind:

 

 Open Service (OS): zur freien Nutzung (Navigation, Zeitstempel)

▪ Commercial Service (CS): Verschlüsseltes Zusatzsignal für erweiterte Services

▪ Public Regulated Service (PRS): Für Behörden und Gemeinden

▪ Search and Rescue Service (SAR): Unterstützung von COSPAS-SARSAT, einem international, satellitengestützten Such-, Rettungs- und Alarmierungssystem

Präzise navigieren mit Auto oder zu Fuß

Open Service (OS) nutzt das offene, kostenlose Signal, das für jedermann zur Verfügung steht. Es wird auf zwei Frequenzen ausgestrahlt und ermöglicht auf Zwei-Frequenz-Empfängern eine Positionsbestimmung, die bis auf 1 bis 2 Meter genau ist. Der kostenlose Massenmarkt-Dienst kann für Ortung, Navigation und Zeitgebung oder in allen Galileo-kompatiblen Chipsätzen in Smartphones oder in Fahrzeug-Navigationssystemen zum Einsatz kommen. Die neuesten TomTom-Modelle sind Galileo-fähig, sie können durch ein Firmware-Upgrade aktiviert werden.

Insbesondere bei der Navigation in städtischen Gebieten, wo die Satellitensignale häufig von hohen Gebäuden gestört werden, sind dank Galileo Vorteile durch die verbesserte Präzision der Ortung zu erwarten.

Informationen zu Galileo: www.usegalileo.eu

Kommerzielle Anwendung im Zentimeterbereich

Noch genauer wird die Positionsbestimmung mit dem kommerziellen Dienst (Commercial Service, CS). Er ist kostenpflichtig und für geschäftliche Anwendungen gedacht. Dazu gehört beispielsweise die vernetzte Landwirtschaft, Logistikunternehmen oder in Zukunft autonomes Fahren.

Verschlüsselte Signale für Behörden und Gemeinden

Für sicherheitsrelevante Anwendungen gibt es den regulierten Dienst (Public Regulated Service, PRS), dessen Signal verschlüsselt übertragen wird. Dieser Dienst ist für Behörden gedacht, etwa die Polizei, den Zoll oder auch für Rettungsdienste.

Rettungseinsatz: Ortung in 10 Minuten

Ein Notruf, der beispielsweise auf hoher See abgesetzt wird, kann derzeit erst übertragen werden, wenn ein Satellit ihn empfängt. Das kann je nach Position der Cospas-Sarsat-Satelliten gut eine Stunde dauern. Mit dem Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue Service, SAR) können Menschen, die ein Notsignal von einer Galileo-kompatiblen Bake absetzen, schneller gefunden und gerettet werden, da die Ortungszeit auf nur 10 Minuten verkürzt wird.

Ab April 2018 wird jedes neue Fahrzeugmodell, das in Europa verkauft wird, mit Galileo ausgerüstet sein, was bei zahlreichen Geräten die Navigation verbessern und das Notfallkonzept eCall ermöglichen wird.

Dieser Dienst sollte später insofern verbessert werden, als dem Absender des Notrufs bestätigt wird, dass er geortet wurde und Hilfe unterwegs ist. SAR 406 MHz-Baken, einschließlich „Galileo Return Link“-Service-Fähigkeit werden derzeit unter verschiedenen H2020-Programmprojekten getestet: HELIOS, GRICAS und SAT406M

 

Information zu SAR: www.usegalileo.eu

Bessere Zeitsynchronisierung

Galileo wird durch seine hochpräzisen Zeitgeber eine robustere Synchronisierung von Banken- und Finanztransaktionen sowie von Verteilungsnetzwerken für Telekommunikation und Energie, etwa von intelligenten Stromnetzen, ermöglichen. Dies wird dazu beitragen, dass sie effizienter funktionieren.

Foto Header: Galileo FOC Satellit, ESA, P. Carril


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