ÖTK – Österreichischer Touristenklub

Pioniergeist und Superlative im Bergsport

Alpine, Alpinverein, Alpenverein, ÖTK, Club, Touristenklub, Touristenclub, Ehem. Universitätsplatz in Wien mit Bäckerstraße und ÖTK-Vereinssitz anno 1940 (links)
Schutzhütte, Schutzhaus, Alpen, Gustav Jäger, Nansenhütte, Stuhleck Erste Schutzhütte des ÖTK ("Touristenhaus am Stuhleck", 1869)

Die Protagonisten des beginnenden Alpinismus waren Leute, die über ein für ihre Zeit unüblich hohes Maß an Freizeit verfügten, also Adelige, Industrielle, Kaufleute, Akademiker – kurz: die bürgerliche, vermögende Oberschicht. Nur sie hatte neben ausreichender Freizeit auch die finanziellen Mittel, um alpinistische Unternehmungen durchzuführen, zumal das Reisen in damaliger Zeit umständlich und teuer war.

Es war Ostern im Jahr 1868, als Gustav Jäger und Lambert Märzroth bei einer Bergtour in der Steiermark den Entschluss fassten, einen alpinen Verein in Wien zu gründen, um die Schönheit der Alpen auch der breiten Gesellschaft zugänglich zu machen und die Bergsportarten zu fördern.

Der Österreichische Touristenklub, kurz ÖTK, ist einer der ältesten und zugleich einer der beliebtesten alpinen Vereine Österreichs - heute, wie vor 150 Jahren. Seine Geschichte ist geprägt von Pioniergeist und Superlativen:

Erste Schutzhütte auf der Rax, erste Schutzhütte am Schneeberg, erste Schutzhütte des Österreichischen Ski-Vereins, erste Bergrettung der Welt, erste Bergsteigerschule, größte Kletterhalle mitten in Wiens Innenstadt, Österreichische Himalaya-Gesellschaft, mit Sepp Mayerl – Lehrmeister von Reinhold Messner – zahlreiche Erstbesteigungen in den Anden und am Himalaya, wie Lhotse Shar, Annapurna Fang und Tsering Kang.

Protektoren des ÖTK waren in der Monarchie Erzherzog Carl Ludwig (1877-1896), Erzherzog Otto Franz Joseph (1896-1906), Erzherzog Carl Franz Joseph (1907-1916) oder Erzherzog Maximilian Eugen (1917/1918). Zu den Ehrenmitgliedern gehörten beispielsweise Hans Graf Wilczek, Johann II. Fürst von und zu Liechtenstein, Ernst Graf Hoyos-Sprinzenstein und Bundespräsident Michael Hainisch.

Namensherkunft

Im 17. Jahrhundert bedeutete das Wort "tour" soviel wie "Umgang, Rundgang, Spaziergang”. Das Wort Tourismus stammt aus dem griechischen topvo (= tornus) und bezeichnete ein zirkelähnliches Werkzeug. Kennzeichnend für diese Wortgruppe, ist der Begriff der Rundung, der eine zum Ausgangspunkt zurückkehrende Wendung beinhaltete. 1870, im Zusammenhang mit der aufkommenden Bergtouristik, bedeutete das Wort „Tour“ auch „alpine Bergbesteigung“.

Meilensteine des ÖTK

1869 Nach dem Vorbild des 1857 in London gebildeten Alpine Club¹ entstand in Wien eine der ältesten alpinistischen Vereinigungen auf europäischem Festland, der "Österreichische Touristenclub", welcher von Gustav Jäger anlässlich einer am 18. Mai 1869 stattgefundenen Sitzung im Gasthaus "Zur Schnecke" (Wien 1, Petersplatz) gegründet wurde. Am 20. Mai wurden die Statuten von der k. k. Statthalterei genehmigt. Am 2. August erfolgte die erste konstituierende Plenarversammlung in der Bischoffs Bierhalle (Wien 1, Schottensteig). 

1869 Noch im selben Jahr errichtete Gustav Jäger am Stuhleck das erste Schutzhaus aus Stein, das "Touristenhaus am Stuhleck". 1872 übernahm der ÖTK das von Familie Baumgartner 1839 errichtete Wirtshaus am Schneeberg (nahe der heutigen Zahnradbahn-Station Baumgarten). Es wurde ausgebaut und erhielt das erste mit Winterschnee betriebene Kühlhaus. Während des Zweiten Weltkriegs fanden Ski- und Alpinkurse für Jugendliche statt. Das älteste Schutzhaus am Schneeberg musste auf Druck der Gemeinde Wien (Quellschutz) 1981/82 abgetragen werden.

Winterschnee be-
triebenes Kühlhaus

1876 Am 10. September 1876 erfolgte die Grundsteinlegung für den Bau des ersten Schutzhauses auf der Rax. Es wurde nach dem Protektor Erherzog Karl Ludwig Joseph Maria von Österreich benannt, dem zweitjüngeren Bruder von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich. Das 2011 modernisierte Haus wird seither als erster Bio-Betrieb in hochalpiner Lage geführt.

1879 kommt es in Schladming zur Gründung einer Sektion des Österreichischen Touristenclubs. Zahlreiche Sektionen, die sich oft aus sog. „Tischgesellschaften“ gebildet hatten, leisteten wertvolle Erschließungsarbeit durch großen persönlichen Einsatz. D'Holzknecht, D'Bergwanderer, D'Reißthaler oder die Raxgmoa, um nur einige zu nennen. Sie errichteten kleinere Hütten, die nicht den Komfort der großen Berghäuser boten, aber das Netz von Notunterkünften vervollständigten.

1882 wird am Schlossberg oberhalb der Burg Dürnstein die erste Aussichtswarte in Holzbauweise errichtet und nach dem Grundeigentümer Camillo Heinrich Fürst von Starhemberg benannt. Die Starhembergwarte wird 1895 durch einen Steinbau ersetzt. Auch heute noch genießt man hier eine herrliche Aussicht in die Wachau.

1896 Bei einem Lawinenunglück am Reißtalersteig auf der Rax, im Grenzgebiet zwischen Niederösterreich und der Steiermark, starben am 8. März 1896 drei bekannte Wiener Bergsteiger. Dies führte zur Gründung der ersten Bergrettung der Welt: Am 22. Mai 1896 wurde der unter Mitwirkung des ÖTK der "Alpine Rettungsausschuss Wien" (ARAW) gegründet, Vorläuferorganisation des heutigen Österreichischen Bergrettungsdienstes, der ÖAMTC-Flugrettung und Vorbild für das alpine Rettungswesen in anderen Ländern. 

1896 wurde das von Gustav Jäger im Jahr 1869 errichtete "Touristenhaus am Stuhleck" (Gustav-Jäger-Schutzhhaus) zu einer Ski-Hütte umgestaltet und dem Österreichischen Ski-Verein zu Übungszwecken zur Verfügung gestellt. Am 28. Dezember 1896 erfolgte die Umbenennung in Nansen-Hütte (nach Fridtjof Nansen, "Auf Schneeschuhen durch Grönland", 1891). Damit wurde die erste Ski-Hütte in den Alpen geschaffen.

1903 Bis 1903 „firmierte“ der Verein unter Österreichischer Touristen-Club (OeTC). Im selben Jahr erlaubt das k. und k. Eisenbahnministerium Passagieren der Wiener Stadt- und Verbindungsbahn die Mitnahme von "gereinigten" Schneeschuhen im letzten Wagon jeden Zuges (III. Classe) gegen Lösung einer Skikarte à 20 Heller. 

1905 konstituierte sich in Wien der "Wintersport-Klub", der sich zunächst aus Mitgliedern des Österreichischen Touristenklubs rekrutierte, jedoch bald Selbständigkeit erlangte. 1905 wurde der "Österreichische Ski-Verband" gegründet (Sitz in München, später in Innsbruck), der alle österreichischen Ski-Vereine zusammenfassen sollte.

1926 wurde durch unser damaliges Leitungsmitglied, den bekannten Alpinisten
Oberbaurat Dipl.-Ing. Franz Kleinhans, die Bergsteigerschule des ÖTK gegründet. Sie hielt ihre Veranstaltungen anfangs gemeinsam mit der gleichzeitig gegründeten und von Leopold Landl geleiteten Bergsteigerschule des Österreichischen Gebirgsvereines (ÖGV) ab. Ziel war der spätere Zusammenschluß der beiden Vereine, der aber nicht zustande kam.

1931 Am 1. Jänner 1931 schloss sich der Österreichischer Touristenklub dem Alpenverein als Teilorganisation an und hieß nunmehr "Sektion Österreichischer Touristenklub im Deutschen und Österreichischen Alpenverein", ab 1938 "Zweig Turistenklub im Deutschen Alpenverein".

1945 Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Deutsche Alpenverein auflöste, wurde der Österreichische Touristenklub am 16. November 1945 neu konstituiert.

1953 wurde über Initiative des Österreichischen Touristenklubs die Österreichische Himalaya-Gesellschaft gegründet (erster Vorsitzender Primarius Dr. Rudolf Jonas; 1956 Erstbesteigung des Gasherbrum II, 8053 m, im Rahmen der österreichischen Himalaya-Karakorum-Expedition).

[1] "The Alpine Club" ist der älteste Bergsteigerverband der Welt mit Sitz in London.

Er wurde am 22. Dezember 1857 von britischen Bergsteigern gegründet

Gegründet im "Goldenen Zeitalter des Alpinismus"

Großglockner Großglockner im Jahr 1800 - Maler: M. Pernhart

Am 26. Juli 1800 erklomm der Kärntner Fürstbischof Franz Xaver Graf von Salm-Reifferscheid mit seiner Expedition den Großglockner. Er ist mit 3798 müA der höchste Gipfel Österreichs. 69 Jahre später wurde der ÖTK gegründet.

Bergkarriere – Wissen mit Wirkung

Grossglockner, Reinhold Messner, Sepp Mayerl, Bergsteiger, Ausbildung Großglockner im Jahr 2011

Aus der im Jahr 1926 gegründeten Bergsteigerschule des ÖTK sind namhafte Alpinisten hervorgegangen, von denen einige Weltruhm erlangten. Sepp Mayerl, Erstbesteiger des Lhotse Shar, Annapurna Fang und Tsering Kang (Himalaya) war Lehrmeister von Reinhold Messner. Heute profitieren angehende Bergsteiger und Kletterer von der Erfahrung und dem Wissen.

Auf sicheren Wegen unterwegs

Das Hütten- und Wegenetz des ÖTK ist durchgehend beschildert und die effektivste Besucherlenkung durch eine sensible Naturlandschaft. 25000 km Wanderwege und Klettersteige sind es, die vom ÖTK österreichweit errichtet und in ehrenamtlicher Tätigkeit erhalten werden. Das ist das Zehnfache des österreichischen Autobahnen- und Schnellstraßennetzes.

Schönste Aussichten

Weithin sichtbar, manches Mal unvermutet oder versteckt gelegen, erheben sich die 20 Aussichtswarten des ÖTK. Die wohl bekannteste ist die 1888 errichtete Habsburgwarte auf dem Hermannskogel in Wien. Auf ihr liegt der Koordinatenursprung der österreich. Landesvermessung. Von ihr überblickt man 22.452 km², was einem Viertel der Staatsfläche entspricht.

 

Wusstest du, dass du als ÖTK-Mitglied einen sechs Mal höheren finanziellen Beitrag zur Erhaltung der Schutzhütten und Wege leistet, als die Mitglieder der beiden größten Alpinvereine Österreichs zusammen? Daher ist deine Mitgliedschaft beim ÖTK von besonderer Bedeutung.

Lehrmeister von Reinhold Messner

Österreich verfügt über eine lange Tradition erfolgreicher Alpinistinnen und Alpinisten, von denen einige Weltruhm erlangten. Im Wechselspiel zwischen den spektakulären Erfolgen Einzelner und dem gesteigerten Interesse der Öffentlichkeit erfuhren traditionelle Formen des Bergsports jüngst einen Aufschwung.

Blasl-Sepp, Sepp Mayer, Lehrmeister von Reinhold Messner Foto: Tyrolia-Verlag

Der 75-jährige Extrembergsteiger und Ehrenmitglied des ÖTK, Sepp Mayerl, nach seinem elterlichen Hofnamen in Bergsteigerkreisen als "Blasl-Sepp" bekannt, hatte sich mit schwierigen Allein- und Erstbegehungen einen Namen gemacht. Er war Lehrmeister vieler namhafter Alpinisten. Von seinen Erfahrungen profitiert heute der ÖTK in Dölsach.

 

Nachruf Sepp Mayerl

Bergwelt & Umwelt. Unsere Leidenschaft.

Der ÖTK vereint sportlich Aktive, naturkundlich Interessierte und kulturbegeisterte Menschen mit einer einzigartigen Leidenschaft - der Liebe und Verbundenheit zur Bergwelt. [mehr]

Der Weg ins 21. Jahrhundert

Dass sich der ÖTK im Laufe seiner langjährigen Geschichte zu einem modernen, vielseitigen alpinen Verein entwickelt hat, ohne dabei auf seine reiche Tradition zu vergessen, ist nicht zuletzt auch seinen mehr als 25.000 Mitgliedern zu verdanken. Viele von ihnen üben ehrenamtliche Funktionen aus und tragen mit dazu bei, dass der Österreichische Touristenklub im Alpinismus stets eine Vorreiterrolle einnimmt.

Der ÖTK in Zahlen

Facts

● Größte Kletterhalle im Zentrum Wiens

● Drittgrößter Alpinverein Österreichs

● Gegründet 1869

Bergsteigerschule seit 1926

● rund vier Dutzend Niederlassungen in Österreich und den Nachbarländern

● über fünf Dutzend Schutzhütten & Partnerbetriebe

● 18 Aussichtswarten in sechs Bundesländern

● 25.000 km Wege, Steige und Kletterrouten

● Alpinshop mit fachkundiger Beratung

 

Jeder sechste Tourist ist Bergsportler

Rund 5,2 Mio. Ankünfte und 23,5 Mio. Übernachtungen jährlich können in Österreich auf den Bergsporttourismus zurückgeführt werden. Dh., jeder sechste Tourist in Österreich ist Bergsporttourist. Daraus leitet sich eine bergsporttouristische Nachfrage in Höhe von knapp 2,1 Mrd. € ab (Stand 2007).

Träger des Bergsports in Österreich

Die Dachorganisation alpiner Vereine Österreichs.

In Österreich sind seit dem Jahr 1949 die wichtigsten alpinen Vereine unter der Dachorganisation des Verbands alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ) versammelt, der seinen Sitz im Stammhaus des ÖTK hat.

 

In Summe repräsentiert der VAVÖ heute knapp 577.000 aktive Mitglieder. Die alpine Infrastruktur umfasst neben den derzeit betreuten 475 Schutzhütten mit Übernachtungsmöglichkeiten für 24.630 Personen, die über ein Netz von Wanderwegen mit rund 50.000 Kilometern Länge zu erreichen sind, auch Infrastruktureinrichtungen des alpinen Schitourismus (Lifte und Seilbahnen), die zwar vorrangig dem Transport der alpinen SchitouristInnen dienen, zum Teil jedoch auch von BergsportlerInnen genutzt werden (Stand 2010).

 

Zu seinen Aufgaben zählen:

  • Koordinationsstelle der alpinen Vereine zur Wahrung der Interessen der Bergwanderer und Bergsteiger bzw. Touristen
  • Ausbildung von alpinem Führungspersonal
  • Kooperation mit öffentlichen Stellen
  • Akquirierung und Verwaltung von Fördermitteln

 

Verband Alpiner Vereine Österreichs


Anrufen

E-Mail

Anfahrt