150 Jahre ÖTK

1869 - Gründung eine der ältesten alpinistischen Vereinigungen

150 Jahre ÖTK Pionier des Alpinismus Österreich Der Tourist. Organ für Touristik, gesammte Alpen- und Naturkunde. Vom Vater des ÖTK

Der "Österreichische Touristenclub" wurde von Gustav Jäger am 18. Mai 1869 im Gasthaus "Zur Schnecke" in Wien 1, Jungferngasse 1, gegründet. Nach dem Vorbild des 1857 in London gebildeten Alpine Club entstand damit in Wien eine der ältesten alpinistischen Vereinigungen auf europäischem Festland. Heute befindet sich der Hauptsitz des ÖTK in der Bäckerstraße 16, 5 min. vom historischen Ort entfernt.

Geschichte zum Gasthaus "Zur Schnecke"

Besichtigung: Der in den Jahren 1876 bis 1878 durchgeführten Verbreiterung der Jungferngasse fiel das Haus mit der Konskriptionsnummer Stadt 612 zum Opfer. Heute steht an seiner Stelle das Haus am Graben 26.

ÖTK –  Pioniergeist und Superlative im Alpinismus

150 Jahre ÖTK Pionier des Alpinismus Österreich Habsburgwarte auf dem Hermannskogel in Wien um 1890
150 Jahre ÖTK Pionier des Alpinismus Österreich Besteigung der Rax-Preiner Wand um 1898

Der Österreichische Touristenklub, kurz ÖTK, ist einer der ältesten und zugleich einer der beliebtesten alpinen Vereine Österreichs - heute, wie vor 150 Jahren. Seine Geschichte ist geprägt von Pioniergeist und Superlativen:

Erste Schutzhütte auf der Rax, erste Schutzhütte am Schneeberg, erste Schutzhütte des Österreichischen Ski-Vereins, erste Bergrettung der Welt, erste Bergsteigerschule, größte Kletterhalle mitten in Wiens Innenstadt, Österreichische Himalaya-Gesellschaft, mit Sepp Mayerl (Lehrmeister von Reinhold Messner) zahlreiche Erstbesteigungen in den Anden und am Himalaya, wie Lhotse Shar, Annapurna Fang und Tsering Kang.

Protektoren des ÖTK waren in der Monarchie Erzherzog Carl Ludwig (1877-1896), Erzherzog Otto Franz Joseph (1896-1906), Erzherzog Carl Franz Joseph (1907-1916) oder Erzherzog Maximilian Eugen (1917/1918). Zu den Ehrenmitgliedern gehörten beispielsweise Hans Graf Wilczek, Johann II. Fürst von und zu Liechtenstein, Ernst Graf Hoyos-Sprinzenstein und Bundespräsident Michael Hainisch.

ÖTK – Pionier des Fremdenverkehrs

150 Jahre ÖTK Pionier des Schutzhütte Österreich Fischherhütte am Schneeberg, Eröffnung 19.7.1885
150 Jahre ÖTK Pionier des Fremdenverkehr Österreich 1897 Eröffnung der zweiten Teilstrecke der Zahnradbahn von Baumgartner bis Hochschneeberg

Die alpinen Vereine, allen voran der ÖTK, sind einzig und allein die Pioniere des österreichischen Fremdenverkehrs. Zwei Drittel der Ostalpen entfällt auf Österreich. Die Gebirgszone umfasst 52.600 km², das sind 63 % der österreichischen Staatsfläche. Nur 32 % der Landesfläche liegen tiefer als 500 m. Der Begriff »Fremdenverkehr« war damals völlig unbekannt. Seinerzeit gab es in alpinen Gebieten keine Infrastruktur. 

Der ÖTK war der erste alpine Verein in Österreich, der Hütten als Gaststätten (und nicht nur als Notunterkünfte oder Selbstversorgerhütten) zu führen unternahm. 1872 setzte der ÖTK erste Wegmarkierungen im Wienerwald. Von Wien ausgehend begann die Erschließung des östlichen Teils der Alpen bis nach Slowenien und hinauf ins Wettersteingebirge. In den Ostalpen ist der ÖTK mit rund vier Dutzend Schutzhütten vertreten. 

Aber auch alle Aussichtswarten im Donautal gründen auf dem ÖTK. Am höchsten Punkt Wiens steht die wohl bekannteste, die Habsburgwarte. Damals noch ein Holzgerüst der Koordinatenursprung der Landesvermessung von Österreich-Ungarn, dient sie auch heute noch als Fundamentalpunkt. Die nördliche Alpen- und Karpatenvorland zählen heute zum bedeutendsten Wirtschaftsraum Österreichs. Der ÖTK leistet seit nunmehr 150 Jahren einen maßgeblichen Beitrag durch seine ehrenamtliche Arbeit.

ÖTK – Pionier im Bergsport

150 Jahre ÖTK Pionier des Bergsport Österreich Großglockner um 1898
150 Jahre ÖTK Pionier des Bergsport Österreich Zillertaler Alpen-Schwarzensteingletscher

Seit seiner Gründung im Jahr 1926 bietet die Bergsteigerschule des ÖTK Ausbildungslehrgänge im vergletscherten Hochgebirge an, um dort das Bergsteigen in Fels, Eis und Schnee zu üben. Die Führer sammelten Erfahrungen in Einzelseilschaften u.a. in der Mont-Blanc-Gruppe, am Matterhorn, Monte Rosa, Civetta und den Dolomiten. 

1953 wurde auf die Initiative des ÖTK die Österreichische Himalaya-Gesellschaft (ÖHG) gegründet. An allen Expeditionen waren die Führer der Bergsteigerschule und ÖTK-Mitglieder beteiliegt, drei Expeditionen wurden von ihnen geleitet. Die Erfolge dürfen nicht unerwähnt bleiben: zahlreiche Erstbesteigungen, wie zB. Saipal (7.024 m), Gasherbrum II (8.035 m), Haramosh (7392 m), Dhaulagiri (8.172 m). Neben den Himalaya-Karakorum-Expeditionen wurde auch der Kaukasus bereist - neun Überschreitungen der Besengi-Mauer und Begehung des Südpfeilers des Dych-Tau, im indischen Teil des Himalaya den schwierigen Südpfeiler des Shivling (6.543 m), in Bhutan anläßlich 125 Jahre ÖTK den Kula Kangri (7.554 m). In Nordnorwegen, im Gebiet des Oksfjordgletschers, wurden sechs Gipfel, davon zwei Erstbegehungen durchgeführt. Später folgten die östliche Türkei, Persien, Griechenland und Afrika, wo den Führern der Bergsteigerschule u.a. Ersteigungen des Olymp und des Ararat sowie von Gipfeln im Gebiet des Kilimandscharo und des Mount Kenya gelangen. 

Das Wissen und die Erfahrung wird an den Nachwuchs im ÖTK weitergegeben. Heute umfasst das Ausbildungsprogramm über 365 Kurse und Touren in fünzig Freizeitsportarten. 

ÖTK – Pionier im Wintersport

150 Jahre ÖTK Pionier des Wintersport Österreich Hohe Wand-Wilhelm-Eichert-Hütte 1904
150 Jahre ÖTK Pionier des Wintersport Österreich Schiausflug mit dem ÖTK anno 1906

Das Wort »Ski« wurde vom norwegischem Wort skíð (gespaltener Holzscheit) entnommen. Der Tourenskilauf ist eine uralte Sportart, eigentlich die älteste Skisportart. Bereits im 12. Jahrhundert waren Ski speziell in den nordischen Ländern ein Hilfsmittel zur Fortbewegung für Jagd und Alltag. Aufstiegshilfen gab es seinerzeit nicht, also musste man überall zu Fuß hinauf gehen. Mit Fellen auf der Lauffläche oder Skiern am Rücken wurden die Hänge und Gipfel bestiegen. Heute eine der leidenschaftlichsten Sportarten überhaupt.

Als der ÖTK im Jahr 1869 gegründet wurde, gab es in Österreich noch keine Ski. Als der Norweger Fridtjof Nansen mit Gefährten im Jahr 1888 Grönland auf Ski in einer Strecke von 560 km durchquerte, dabei teilweise bis auf 2700 m Höhe kam und seine Erlebnisse in dem Buch »Auf Schneeschuhen durch Grönland« schilderte, wurde in Österreich das Interesse geweckt. Am 10. Mai 1904 wird der »Wintersport-Club« (WSC) des ÖTK gegründet. In Wien-Hütteldorf wird ein Skidepot mit 40 Paar Leihski für ÖTK-Mitglieder eingerichtet. Es folgen erste Wettbewerbe und Veranstaltungen, wie die Skisprungmeisterschaft am Semmering. Bei der ersten Tagung des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) werden die Mitglieder des »Wintersport-Club« des ÖTK einstimmig in den Vorstand gewählt. 

Die Chronik dokumentiert einen bemerkenswert großen Anteil des ÖTK an der Entstehung und Entwicklung des Skilaufes in Österreich. Vom naturverbundenen Skiwandern, hochalpinen Skilauf, Rennlauf, Sprunglauf bis zum Pistenlauf im mechanisierten Skibetrieb bietet der ÖTK alles an. Norwegische und heimische Laufstile (von Mathias Zdarsky) verschmelzen. Der damals erst 17-jährige Hannes Schneider, Skilehrer am Arlberg, entwickelte den Stemmbogen (von Oberst Georg Bilgeri) weiter. Als Skilegende und Schauspieler machte er seine Heimat, den Arlberg weltweit bekannt und gründete in North Conway in den USA ein eigenes Skigebiet. Er zählte übrigens auch zu den Gründern des ersten Skiclubs am Arlberg.


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